
- Basilikum gehört in jeden Kräutergarten - Pascal Witry
Wilde Kräuter sind in Deutschland überall in der Natur zu finden. Wer durch die Natur streift und dabei die Augen offen hält, kann zum Beispiel die Katzenminze mit ihrem angenehmen Duft, den wohlschmeckenden Löwenzahn oder wilden Fenchel sehen. Gepflückt werden sollten möglichst wenig Kräuter. Erstens gibt es in unseren Wäldern und Wiesen immer weniger wild wachsende Heil- und Küchenkräuter, zweitens stehen einzelne Kräuterarten unter Naturschutz. Da Kräuter jedoch oft als Unkraut betrachtet werden, macht man ihnen immer noch mit Unkrautvernichtungsmittel das Leben schwer.
Kräuter im Garten pflanzen
Bereits seit Jahren ist ein Trend in Richtung eines verständnisvolleren Umgangs mit den Kräutern zu erkennen. Viele einstige Anhänger des Verzehrs wild wachsender Kräuter haben in den letzten Jahren erkannt, dass das Sammeln von Wildkräutern deren Bestand gefährden kann. Schmetterlinge bevorzugen bestimmte Kräuter, weshalb man solche Pflanzen bevorzugt stehen lassen und so zum Naturschutz beitragen sollte. Die Beschäftigung mit den Wildkräutern erlaubt Rückschlüsse auf die umgebende Natur. Es gibt Arten, deren Bestand wohl kaum als gefährdet angesehen werden kann, wie zum Beispiel der Löwenzahn. Wer frische Kräuter mag, sollte sich eine kleine Kräuterecke im eigenen Garten einrichten.
Bauerngarten und Kräuterküche
Ein Kräutergarten gehörte früher einfach zu jedem Bauernhaus dazu. Solche Kräutergärten kann man heute in regionalen Freilichtmuseen bewundern. Zu Zeiten unserer Ururgroßväter gab es keine Supermärkte in den Dörfern. Die Landbevölkerung war zum größten Teil Selbstversorger. Sie aß den Fisch aus hiesigen Gewässern, das selbst gezogene Gemüse, die Kartoffeln aus dem eigenen Garten oder Acker und Brot aus Getreide vom eigenen Feld. Fleisch stammte aus der eigenen Hausschlachtung. Standardgerichte wie Pellkartoffeln mit Bohnen oder der Braten am Feiertag mussten gewürzt werden, um ihren vollen Geschmack zu entfalten. Man würzte nicht nur mit Salz, Pfeffer oder Wacholder, sondern auch mit Kräutern aus dem eigenen Garten. Ein Kräutergarten ohne Thymian, Petersilie, Fenchel, Knoblauch, Pfefferminze und Bohnenkraut zum Würzen der damals sehr verbreiteten Eintöpfe wäre nicht einmal zur Barockzeit als vollständig betrachtet worden. Eine solche Vielfalt an Gewürzen wie heute stand der Bevölkerung damals noch nicht zur Verfügung.
Küchenkräuter und Gewürze
Eine Bachforelle ohne Dill, Meerretich oder Petersilie wäre jedoch wohl auch vor 100 Jahren als fade im Geschmack bezeichnet worden. Auf den Feiertagsbraten gehörten zumindestens Thymian oder Majoran. Die im Kräutergarten wachsenden Kräuter wurden gepflückt und in einer Abstellkammer getrocknet. Die trockenen Gewürzkräuter wurden als Strauß unter die Decke gehangen oder in Dosen verstaut. Die Kräuter zerkleinerte man mit einem Hackmesser oder zerstampfte sie in einem Mörser. Frisch gepflückte Blätter wurden in der ländlichen Küche ebenfalls zum Würzen verwendet. Beim Würzen von Fisch spielen jedoch andere Gewürze eine dominierende Rolle als in der von Wildbret und Fleisch geprägten ländlichen Küche. In wärmeren Regionen mit mediterran anmutendem Klima wuchsen auch Kräuter wie Lavendel, Rosmarin oder Basilikum besser.
Kräutergarten als Hausapotheke
Auch wenn unsere Vorfahren in ihren mit Schiefer gedeckten Häusern dem nicht allzu freundlichen deutschen Klima trotzten, hatten sie doch immer wieder Wehwehchen oder Leiden. In einem solchen Fall nutzten viele Menschen zuerst ihre hauseigenen Heilkräuter, da ärztliche Behandlungen für die breite Masse der Landbevölkerung kaum bezahlbar waren. Wenn im 18. oder 19. Jahrhundert ein Bauer in einem abgelegenen Tal wohnte und im Winter hoher Schnee fiel, war es für den Landarzt schwierig, überhaupt zum Kranken zu kommen. Kein Wunder also, dass Salbeitee bei Husten oder Kamillentee bei Magenbeschwerden nebst anderen Kräutern in Form von Tees, Aufgüssen oder Tinkturen zur hauseigenen Kräuterapotheke gehörten.
